«Wir sind wieder da!»

Nach sieben probefreien Monaten kehren die Lebensgeister zurück. Der Vorstand vom Evangelischen Kirchenchor hat viel unternommen, um den Zusammenhalt im Verein wachzuhalten und den Probebetrieb auf die individuellen Möglichkeiten der Chormitglieder abzustimmen.
Brunhilde Bergmann
«Das gemeinsame Singen haben wir sehr vermisst. Jetzt tasten wir uns langsam wieder an eine Normalität heran», sagt Christine Graf, Präsidentin des Evangelischen Kirchenchors Sulgen-Kradolf. Damit macht sie deutlich, dass noch lange nicht alles so läuft, wie vor dem vom Bundesrat verordneten Stopp für Chöre. So gelten nach wie vor Schutzmassnahmen wie Mindestabstand, dem Raum angepasste Maximalbelegung oder Singen unter der Maske. «Das Wichtigste ist aber, dass wir wieder zusammenkommen können», betont die Präsidentin des Chors. Das kam auch deutlich zum Ausdruck, als der Vorstand im Frühjahr bei allen Sängerinnen und Sängern telefonisch nachfragte, wie es ihnen persönlich geht, was sie als Chormitglied vermissen, worauf sie sich freuen.

Immer am Montag: Post statt Proben
Um irgendwie in Verbindung zu bleiben und sich als Gemeinschaft nicht zu verlieren, überbrückte der Vorstand die probelose Zeit vom November 2020 bis zum Aufheben des Probeverbots mit der «Montagspost». Die Vorstandsmitglieder wechselten sich wöchentlich ab und verfassten persönlich gestaltete Mails oder Briefe an alle Vereinsmitglieder und Geburtstagsgratulationen. «Auch alle unsere Pfarrpersonen haben sich in die regelmässige Kontaktpflege eingebracht», freut sich Graf. «Montagspost» weil sich die Chormitglieder immer montags zu ihren Proben trafen. So wie sie das seit Kurzem auch wieder tun dürfen, wenn auch in angepasster Form.

Zugpferd für Gemeindegesang
Jedem Chormitglied ist sein fester Platz zugewiesen, der Vorstand bringt vor Probeginn Namensmarkierungen an den Stühlen an. Singen ohne Maske benötigt pro Person 25 m2, mit Maske genügt ein Mindestabstand von 1,5 m zur nächsten Person, so die aktuellen Schutzbestimmungen. Ob Singen ohne Maske, dafür fast auf sich allein gestellt oder lieber zum Preis des Maskentragens die Nachbarstimme hören können, durften die Sängerinnen und Sänger selbst wählen. Wegen dem grossen Raumbedarf hat der Kirchenchor sein Probelokal ins im Kirchenzentrum Kradolf verlegt und das Proben auf zwei Gruppen verteilt. Aufeinander abgestimmtes Singen sei mit so grossen Abständen zwar schwierig, aber der Chor studiert vorerst auch nichts Neues ein. «Wir frischen unser Repertoire auf und setzen den Fokus auf das Üben der Lieder für den kommenden Gottesdienst, so wollen wir den Gemeindegesang stärken.», zeigt sich die Präsidentin pragmatisch. «Im Ferienanfangs- Gottesdienst, der draussen stattfinden soll, werden wir aber hoffentlich wieder einmal vorsingen können.»

Später gehen – früher kommen
Und um dem Bedürfnis nach ungeteilter Gemeinschaft nachzuleben, haben sich die Chormitglieder auch schon etwas einfallen lassen. Damit sich beide Probegruppen auch mit den Sängerinnen und Sängern der jeweils anderen Gruppe austauschen können, nutzen die Chormitglieder die Zeit der Raumlüftung. Die Ersten bleiben nach Probenende noch eine Viertelstunde länger auf dem Vorplatz, die Zweiten kommen schon 15 Minuten vor ihrem Probenbeginn.

Drei Statements:
Richard Kessler, Sulgen: «Zusammen singen ist schöner als allein. Aufeinander hören, auf Paolo, unseren Dirigenten achten, seine gemütliche aber konzentrierte Ausstrahlung wahrnehmen, den mehrstimmigen Klang geniessen und dabei Gott für das wunderbare Geschenk unserer Stimmen danken, das macht mir Freude im Evangelischen Kirchenchor Sulgen-Kradolf.»
Sängerin Vreni Mathies, Schönenberg: «Ich habe mich immer auf die Montagspost gefreut und gespürt, unseren Chor gibt es noch! Ein dickes Lob an unseren Vorstand. Er hat es verstanden, die für uns Chormitglieder so wichtige Gemeinschaft wach zu halten und auch die gewohnte Wochenstruktur nicht zu verlieren.»
Christine Graf, Präsidentin: «Wichtig ist: Wir sind immer noch – und wieder – da! Künftig ist auch Proben im Freien, in Gruppen und gemeinsam, vorgesehen. Im Ferienanfangs- Gottesdienst, der draussen stattfinden soll, werden wir hoffentlich auch wieder einmal vorsingen können.»